Von unsichtbaren Daten und seltenen Erden

Die Zukunft ist vernetzt und online. Da scheinen sich alle einig zu sein. Doch wie grün ist das Internet und was kann jeder Einzelne tun, um seinen digitalen Fußabdruck zu verkleinern? Was zählt. sprach mit Nele Kammlott von kaneo – green IT solutions über CO2-Steuern, digitale Teilhabe und Cyber-Mobbing. Und die Wertschätzung von Ressourcen.

Das Internet ist zum Nervensystem unserer Gesellschaft geworden. Doch genau wie in unserem Körper brauchen auch die unzähligen Knotenpunkte des Internets Energie und Ressourcen, um zu funktionieren. Dass diese Ressourcen nicht unbedingt nachhaltig gewonnen werden, weiß Nele Kammlott von kaneo. Kinderarbeit in Goldminen, vergiftete Seen durch den Abbau seltener Erden und riesige Rechenzentren, die mit Kohlestrom betrieben werden. Später dann brennende Müllhalden aus Elektroschrott, der aus westlichen Ländern in den globalen Süden exportiert wird. „Die grünste IT ist die, die man nicht braucht“, sagt Kammlott deshalb.

Hardwarehersteller und Rechenzentren leisteten gute Arbeit, um immer effizienter zu werden. Die Software sei in den meisten Fällen das Problem. Der Glaube, mit einem größeren Server werde alles schneller, sei ein Trugschluss. Wenn Software schlecht programmiert sei, breite sich der Code auch auf der effizientesten Hardware wie Kraut und Rüben aus und mache sie langsam. Lösungen bieten oft Open-Source-Programme, die schlanker programmiert sind und weniger Rechenleistung und somit Strom und Hardware verbrauchen. Darüber hinaus sind es Unmengen an Bildern, Nachrichten und Apps, die uns wertvolle Rechenleistung stehlen. „Wenn wir Dokumente auf unserem analogen Schreibtisch ausbreiten, müssen wir irgendwann aufräumen“, sagt Kammlott. In der digitalen Welt jedoch sind unsere
Daten unsichtbar und somit aus den Augen, aus dem Sinn.

Die größte Nachhaltigkeitswirkung des Internets sieht Kammlott in der Freiheit, Informationen und Wissen weltweit zu teilen. Aus der Open-Source-Programmiererszene und der freien Lizenzbewegung Creative Commons sind Pionierprojekte wie Wikipedia und Firefox hervorgegangen. Obwohl die Freiheit des Internets auch Probleme wie Cyber-Mobbing mit sich bringt, plädiert die IT-Beraterin nicht für Zensur, sondern für mehr Medienkompetenz und gesellschaftliche Debatten. Etwa darüber, wie die Digitalisierung zu einer Gesellschaft beitragen kann, in der Menschen einer Arbeit mit Sinn nachgehen können, wenn stupide Aufgaben von Maschinen erledigt werden. Oder über eine einheitliche CO2-Steuer, denn bei der Digitalisierung müsse man ehrlich rechnen. „Wenn man CO2-Kompensationen als politische Leitplanke benutzen würde, hätte man einen enormen Hebel“, ist Kammlott überzeugt. Bevor man dann das neuste Smartphone für 1500 Euro kauft, würde man sich schon eher überlegen, das alte reparieren zu lassen. Und das ist auch gut so, denn schließlich haben globale Lieferketten nicht nur virtuelle, sondern ganz reale Konsequenzen.

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Tipps für den Alltag
Löschen Sie alte E-Mails und nicht mehr benötigte Anhänge. Melden Sie sich von unerwünschten Newslettern ab, denn jede digitale Kommunikation verbraucht Ressourcen. Räumen Sie große Dateien wie Fotos und Videos auf Ihrem Rechner auf und löschen Sie ungewollte Aufnahmen. Das spart nicht nur Zeit beim Suchen, sondern auf lange
Sicht auch die nächste externe Festplatte für Sicherungskopien. Mit Open-Source-Betriebssystemen wie Linux können Sie die Lebenszeit Ihrer Hardware verlängern, da diese viel schlanker programmiert sind und weniger Rechenleistung benötigen. Kaufen Sie Ihren nächsten Laptop gebraucht. www.greenpanda.de und www.afbshop.de sind gute Adressen für gebrauchte IT-Geräte mit einer Garantie von bis zu 3 Jahren. AfB ist zudem Europas erstes gemeinnütziges IT-Unternehmen und beschäftigt zu 50 % Menschen mit Handicap.

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Das Unternehmen
kaneo – green IT solutions ist eine bundesweit tätige IT-Beratungsfirma aus Lüneburg für kleine und mittelständische
Unternehmen. Durch den Einsatz von schlanker Open-Source-Software und das Optimieren firmeninterner Prozesse können im Durchschnitt der Strom- und Hardware-Bedarf der IT um 50 % gesenkt werden, sagt Nele Kammlott, Geschäftsführerin von kaneo. Ein Leitfaden für eine ganzheitlich gedachte, nachhaltige IT-Infrastruktur ist abrufbar unter: www.kaneo-gmbh.de

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Text: Sebastian Reimann

Foto: kaneo GmbH