WZ7_Bioladen-Ähre

Wilfrid Preuss – ein freies Leben

 Wilfried-Preuss

Mit 16 riss er von zu Hause aus.
Bis dahin wohnte Wilfrid Preuss bei seinen Eltern.
In einem Reihenhaus in Lüneburg, drum herum ein Jägerzaun.
Er ging aufs Gymnasium.
Die Schüler trugen Anzug und die Haare kurz.

Willy Preuss trug Wollpulli und ließ die Haare wachsen.
Mit 16 schmiss er die Schule und haute ab.
Das war 1968.

Junge Hippies

Mit einem Freund reiste er durch Europa. Ohne Geld.
Sie schliefen unter Brücken, in alten Autos oder auf dem Friedhof.
Sie halfen bei der Weinernte, machten Musik und verkauften Schmuck.
So bekamen sie ein bisschen Geld.
Sie waren auf der Suche nach sich selbst.
Willy und sein Freund waren Hippies.

In Rom lernten sie andere Hippies kennen.
Sie beschlossen alle nach Indien zu fahren.
Sie kauften ein Auto und fuhren los. Ohne Führerschein.
Sie kamen bis nach Bagdad.
Dann war das Auto weg, das Geld und die Freunde.
Willy Preuss wurde zurück nach Deutschland geschickt.
Er landete in einem Heim für Obdachlose.
Da wusste er: Bürgerlich will er nicht sein, obdachlos aber auch nicht.

Labor und Lager

Er fing eine Ausbildung an. Als Chemielaborant.
Aber in der Chemie-Industrie arbeiten? Wollte er das?
Er brach die Lehre ab.
Er ging zurück auf die Straße und auf Reisen.
Diesmal kam er wirklich bis nach Indien.

Zurück in Deutschland landete er: bei der Musik.
Willy Preuss mag Musik. Er fand Arbeit in einer Plattenfirma.
Dort im Lager lagen die Platten der Rolling Stones (sprich: Roh-ling Stohns) und von Led Zeppelin.
In der Musikindustrie herrschen Zahlen. Rockbands haben Nummern.
Led Zeppelin hatte die Nummer 4037.
Willy Preuss stieg in der Firma auf und verdiente gut Geld.
Doch wollte er das wirklich?

Kommune auf dem Land

Er ging. Der Hippie wollte Bauer werden.
Willy Preuss kaufte ein Pferd, Schafe und Hühner.
Er zog in eine Kommune aufs Land.
Sie bauten ihr eigenes Essen an. Ohne Chemie.
Dort lebten auch Frauen.
Hippies ist die klassische Familie zu klein.
Lieber leben sie die freie Liebe.
Willy Preuss war mit mehreren Frauen zusammen.

 

WZ7_Bioladen-Ähre

Der erste Bioladen

1979 macht Willy Preuss wieder etwas Neues:
Zusammen mit zwei Freunden gründet er „Die Ähre“.
Da ist er 28 Jahre alt.
„Die Ähre“ ist Lüneburgs erster Bioladen.
Dort wird die Ernte der Bauern aus der Umgebung verkauft.
Noch heute gibt es den Laden in der Unteren Schrangenstraße.
Bis 1984 arbeitet Willy Preuss dort.

Blick von oben

Dann wurde Willy Preuss Dachdecker für Reethäuser.
Bis heute klettert er auf die Dächer aus Schilf.
Von oben hat er einen guten Überblick.
In Lüneburg sieht er:
Supermärkte, Wohngebiete und Straßen, wo früher Natur war.

Heute ist Willy Preuss 66 Jahre alt.
Er wohnt in Neetze.
Immer noch reist er durch die Welt.
Zuletzt war er auf Jamaika.
Seine Werte bleiben: freies Denken und Handeln, keine Zwänge.

 

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Was zählt. – Magazin für eine lebenswerte Zukunft in der Region Lüneburg.

Grüne Pioniere | Nummer 7 | 2018

Originalžartikel von Anja Marwege.

In Einfache Sprache übertragen von Inken Kahlstorff.

Foto: Anja Marwege und privat