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Liebe Menschen, auch ihr seid Natur!

Was zählt. gibt der Gewöhnlichen Bindensandbiene eine Stimme. Sie heißt Andrena flavipes.

Viele Lebewesen sind für unsere Zukunft wichtig. Nicht nur wir Menschen.
Tiere können nicht sprechen. Deshalb werden ihre Belange oft übergangen. Das könnte auch für uns Menschen gefährlich werden.

Wie leben die Insekten?
Warum sind sie bedroht?
Wie können wir helfen?

 

Eine Biene stellt sich vor:

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Gestatten, dass ich mich vorstelle:
Flavipes, Andrena flavipes. Ich bin eine Wildbiene.
Ich bin 4 Wochen alt und einen Zentimeter groß. Meine Haare sind blond und schwarz.
Ich sehe aus wie eine Honigbiene. Aber ich mache keinen Honig.
Ich lebe auch nicht in einem Staat. Ich bin eine Einzelgängerin.

Tierisches Glück

Ich versorge meine Kinder allein. Wir wohnen in Lüneburg. Meine Kinder sind noch Eier. Sie liegen in einer 20 Zentimeter tiefen Röhre, die ich eigen·beinig gegraben habe. Die Röhre ist am Fuß des Kalkbergs. Dort habe ich hinter dem alten Gips·ofen ein wahres Paradies für Wildbienen gefunden.

Die Böschung ist sonnig und mager bewachsen. Es gibt viel Weißdorn, Fingerkraut und anderes Leckeres. Und alles in der Nähe. Ich habe tierisches Glück, denn ich wohne in einem Naturschutzgebiet.

Aber an anderen Orten ist es schwer, Wohnraum und Futter zu finden.
Liebe Menschen, das hat viele Gründe. Die meisten haben mit euch zu tun.

Ein paar Beispiele:

Wenig offener Boden

Ihr baut gern Straßen, Häuser und Parkplätze. Ihr teert, pflastert oder betoniert den tollsten Boden zu. Ihr braucht Platz zum Leben, das verstehe ich.
Nur: Ich brauche den auch. Wenn es keinen offenen Boden gibt, dann finde ich für meine Nachkommen kein Zuhause.

Keine Blüten, kein Futter

Wenn ich über Gärten, Parks und Felder fliege, wird mir angst und bange. Ordnung ist für euch das halbe Leben. Aber eure Ordnung macht unser Leben schwer.
Wenn ihr Wiesen oft mäht, dann kommen die Pflanzen dort nicht zur Blüte. Wenn auf dem Feld nur Raps wächst, dann finden wir vor und nach der Blüte kein Futter. Wenn ihr tote Stängel abschneidet und dichten Rasen sät, dann finden wir keinen Wohnraum.

Pestizide

Und wenn ihr Pestizide einsetzt, dann sterben wir oft gleich mit.

 

Gibt Ordnung euch ein Gefühl von Sicherheit?

Ich denke manchmal: Vielleicht gibt euch die Ordnung ein Gefühl von Sicherheit. Vielleicht gibt sie euch das Gefühl, die Natur beherrschen zu können.
Deshalb möchte ich euch sagen: Ihr seid auch ein Teil der Natur. Wenn ihr die natürlichen Grenzen nicht beachtet, dann schadet ihr auch euch selbst.
Ihr braucht uns Insekten, denn wir bestäuben Nutz- und Wildpflanzen. Damit sorgen wir für euer Überleben.

 

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Wir arbeiten kostenlos, aber wir sind nicht wertlos

Ich bitte euch deshalb: Liebe Menschen, helft uns über alle Artgrenzen hinweg! Nur weil wir unsere Dienste kostenlos erbringen, sind wir nicht wertlos. Wir brauchen euch als unsere Lobby.

Unsere Wünsche

Wir haben viele konkrete Wünsche.
Zum Beispiel:

  • Lasst totes Holz liegen und trockene Pflanzenstängel stehen. Dort können einige von uns wohnen.
  • Behaltet den Sandkasten der Kinder, auch wenn sie nicht mehr darin spielen. Das ist der perfekte Wohnraum für alle, die wie ich im Boden nisten.
  • Wildbienen·hotels sind hilfreich. Aber nehmt bitte das richtige Material. Mit Heu und Kiefernzapfen können wir nichts anfangen.
  • Mäht den Rasen seltener. Mäht ihn zeitlich versetzt, also immer nur einen Teil des Rasens. Lasst Blüh·inseln stehen.
  • Pflanzt Pflanzen mit viel Nektar. Gefüllte Blüten haben keine Nahrung für uns.
  • Benutzt keine Pestizide.

Noch eine Bitte:
Wenn ihr für große Grün·flächen wie Parks oder Friedhöfe verantwortlich seid, dann denkt auch bei der Arbeit an unsere Wünsche.

 

Meine Kinder werden groß

In einigen Tagen werden meine Kinder zu Larven. Sie essen dann den Pollen und Nektar, den ich in ihre Brut·zellen getragen habe.
Einige Wochen später werden sie aus ihren Brutzellen schlüpfen. Dann paaren sie sich und graben Nist·röhren in den Kalkberg. Dort legen sie ihre Eier hinein.
Ich selbst werde dann schon tot sein. Liebe Menschen, bitte helft meinen Nachkommen und lasst viele Blumen blühen.

 

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Was zählt. – Magazin für eine lebenswerte Zukunft in der Region Lüneburg.

Grüne Pioniere | Nummer 7 | 2018

Originalžartikel von Theresa Horbach.

In Einfache Sprache übertragen von Angelika Pohl.

Bild: Mareike Thies