Lüneburger Repair Café.

Was machen eigentlich die Repair Cafés?

Viele Lüneburger Gemeinden haben eine Reparatur-Initiative

Von Lara Schönweiss

Ihre erste Ausgabe widmete die Was zählt.-Redaktion dem Thema „Reparieren statt Wegwerfen“ und stellte damals, im Mai 2014, das erste Lüneburger Repair Café vor. Seither gibt es mindestens vier Orte in Stadt und Landkreis, an denen regelmäßig repariert wird. Weltweit zählt die Stiftung anstiftung & ertomis 1259 Reparatur-Initiativen; davon rund 600 allein in Deutschland. Die Repair Cafés haben sich etabliert, sind vernetzt und die Problematik des vorzeitigen Wegwerfens ist in aller Munde.
In Lüneburg sind Jörn Bielenberg und Fred-Jürgen Hullerum die Gastgeber des Repair Cafés in der Innenstadt. „Seit Juli 2014 bin ich an dem Repair Café beteiligt und betreue mit drei bis sieben Reparateuren die Lüneburger mit ihren kaputten Geräten. Für die meisten sind aber auch Kaffee und Kuchen beziehungsweise der gemeinsame Austausch sehr wichtig“, sagt Bielenberg. Auch die Repair Cafés in Scharnebeck, Adendorf und Reppenstedt sind soziale Treffpunkte mit jeweils etwa 15 freiwilligen Mitarbeitern geworden. Sie geben dabei oftmals fast vergessenes Wissen über Gegenstände und deren Instandsetzung weiter. An einem Reparaturnachmittag kommen 25 bis 40 Menschen. Die Reparatur­quote liegt nach eigenen Angaben bei 60 bis 90 Prozent. Manchmal gibt es aber auch Missverständnisse: Gemeinsam Reparieren heißt nicht kosten­loser Reparatur-Service. Doch die Reparateure sind geübt darin, Besucher mit Dienstleistungsmentalität zum Mitschrauben zu motivieren.
Die wachsende gesellschaft­liche Anerkennung spiegelt sich auch in der Unterstützung durch Gemeinden, Stiftungen und Spender wider. Der Andrang beim Repair Café Scharnebeck ist so gestiegen, dass das Café in den größeren Sitzungssaal der Gemeinde verlegt wurde und in der gegenüberliegenden Scheune nur noch geschraubt wird.
Vorbild ist Skandinavien. Schwedens rot-grüne Regierung ging Anfang des Jahres gegen voreiliges Wegwerfen vor und halbierte die Mehrwertsteuer auf Reparaturdienste zum Beispiel für Kleidung, Schuhe, Elektrogeräte oder Fahrräder. Auch wer einen Handwerker ins Haus bestellt, um seinen Kühlschrank reparieren zu lassen, kann 50 Prozent der Lohnkosten von der Steuer absetzen. Bundesumweltministerin Hendriks fordert ein Mindesthaltbarkeitsdatum für Geräte, und eine eigens für die Reparateure entwickelte Haftpflichtversicherung schützt neuerdings die Freiwilligen.

Foto: Jannis Muser