Was zählt_Alexander Spang-1

„Das Ende eines Welt·raums“

Das Projekt Mond·basis hat aufgehört.

4 Jahre lang gab es die Mondbasis.
Das war ein Raum zum Sein statt Haben.
Nun schloss das Pionier·projekt seine Türen.

Die Mondbasis war in der Lünertor·straße 20. Mit Blick auf Stint, Kran und Trauerweide.
Vor der Tür standen Bänke. Wer wollte, konnte sich hier hinsetzen und etwas ausruhen. Einfach so.
Die Wände innen waren weiß. Das war gut für die Kunst·ausstellungen.
Hunderte Veranstaltungen gab es hier.
Die Mondbasis hatte viele Funktionen:

  • Wohnzimmer
  • Konzert·saal
  • Theater·bühne
  • Büro
  • Dreh·ort für Filme
  • Treffpunkt für Initiativen
  • Repair Café (sprich: Ri-pär Ka fee)
  • ein Ort für Diskussionen
  • ein Ort, um Rezepte auszutauschen
  • Café

2 alte Freunde haben die Mondbasis eröffnet: Alexander Spang und Sandra Bauer. Beide sind gut 40 Jahre alt.
Sie wollten einen öffentlichen Raum anbieten. Einen Treffpunkt ohne Werbung. In der Mondbasis konnte man sitzen, ohne etwas bestellen zu müssen. Menschen konnten sich hier einfach begegnen.
Dazu sagt Alexander Spang:
„Vieles braucht erst einen Raum, um sich zeigen zu können.“
Das heißt:
Leute müssen sich treffen können. Sie brauchen einen konkreten Raum, ein Dach über dem Kopf. Tische und Stühle. Manchmal auch Technik. Und das alles kosten·los. Auch essen und trinken können ist wichtig.
Erst dann können Ideen entstehen. Erst dann können die Leute gut an ihren Plänen arbeiten.
Ein schönes Beispiel ist der WirGarten.

Zwischen Selbst·verwaltung und Service·kraft (sprich: ßör-wiss-kraft)

Die Mondbasis sollte kein normales Café sein. Und Alexander Spang und Sandra Bauer wollten auch keine Veranstalter sein.
Die Leute waren nicht einfach Gäste. Sie sollten mithelfen. Sie sollten ihr Programm selbst machen. Sie sollten Verantwortung tragen.
Die Mondbasis war nur der Ort, an dem alles stattfinden konnte. Wenn keiner etwas tat, passierte nichts.

Das klappte mal besser und mal schlechter.
Viele haben das Konzept nicht verstanden. Für sie bleib die Idee zu abstrakt. Sie kamen als Gäste und wollten bedient werden.
Alexander Spang erinnert sich:
„Dann hatte ich das Gefühl, in einem hippen Szene·café (sprich: ße-ne-ka-fee) zu sein. Ich war nur noch Service·kraft.“
Da fehlte die Wert·schätzung.

Alexander Spang sagt auch:
„Finanziell hat sich das Projekt immer getragen.“
Aber das Geld reichte nur deshalb, weil alle ehren·amtlich gearbeitet haben. Alexander Spang und Sandra Bauer. Familie und Freunde.
Es gab auch mal einen Verein. Den hatten Spang und Bauer gegründet. So sollten die Verantwortung und die Arbeit besser verteilt werden. Aber das klappte nicht.
Alexander Spang hat zum Beispiel jede Woche mindestens 30 Stunden für die Mondbasis gearbeitet. Manchmal aber auch 100 Stunden. Immer ohne Bezahlung.
Irgendwann geht so etwas nicht mehr.
Spang wollte Zeit für seine kleine Tochter haben.
Bauer hat ein neues Projekt in Hamburg. Es heißt Mini·topia. Es geht dabei um urbane Selbst·versorgung. Hier leben viele Ideen aus der Mondbasis weiter.

Die Mondbasis wurde im Dezember geschlossen. Denn es gab einen Nachfolger.
Im April hat „Blaenk“ eröffnet: Bar, Café und Event·raum (sprich: i-went-raum).

Das innere Lächeln

Alexander Spang sagt: „Das Loslassen war schwer.“
Besonders als klar wurde, dass Blaenk anders sein wird als die Mondbasis
.
Aber es wird immer leichter.

Und Spang grämt sich nicht, weil die Mondbasis aufgehört hat.
Nur die Leute vermisst er.

Spang ist sehr aktiv. Man fragt sich, wo er die viele Zeit für die Mondbasis her hatte.
Spang leitet die Lüneburger Schule für Wing-Tsun. Das ist eine chinesische Kampf·kunst.
Er ist seit mehr als 20 Jahren selbst·ständig als Lehrer für Selbst·verteidigung.
Er ist Coach (sprich: Kootsch) für Kinder und Polizisten.
Er arbeitet an einem Buch übers Meditieren.
Er arbeitet an einem Blog mit besonderen Bildern von Lüneburg.
Er macht Kunst und Qigong (sprich: Tschie-gung).

Trotzdem schafft er es, sich den Freitag frei·zuhalten. Dann geht er in die Natur.
Zeitweise kam er mit nur 4 Stunden Schlaf aus.
Alexander Spang erklärt das so:
„Ich habe das gefunden, was man in der chinesischen Medizin das innere Lächeln nennt.“
Das ist eine innere Einstellung: wohl·wollend und zufrieden. Und dankbar für jeden Tag.

Ein Auto·unfall hat dazu beigetragen, dass Spang das innere Lächeln gefunden hat.
45 Minuten lang schwebte er zwischen Leben und Tod. Da war er 24 Jahre alt.
Seine Nah·tod·erfahrung will er heute nicht mehr missen.

Gemein·güter sind Bürger·pflicht

Spang rät den Lüneburgern: „Öffnet euch!“
Er meint damit:
Es muss mehr öffentliche Plätze geben, an denen man sich treffen kann.
Denn viele nicht-kommerzielle Orte fallen ihm nicht ein:
Das Heinrich- Böll-Haus mit „Avenir“ und „Anna&Arthur“. Das „Zum Kollektiv“. Das Welcome&Learning-Center (sprich: Well-kamm änd Lör-ning-ßen-ter) und der „Wasserturm“.

Die beiden Gründer der Mondbasis appellieren an alle Lüneburger und Lüneburgerinnen. Sie sollen aktiv werden und ihre Stadt gestalten.
Spang nennt das: „Lüneburger mit Bürgerpflicht.“

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Original·text von Theresa Horbach.
Foto von Jannis Muser.

Was zählt. „Auf|hören“ – Nummer 5 im Juni 2017.
In Einfache Sprache übertragen von Angelika Pohl.

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