GRUENFLAECHE

„Boden gutmachen“

Wenn gebaut wird, wird Land verbraucht.

In Deutschland wird viel gebaut: Häuser, Siedlungen und Straßen.
Dafür braucht man Land. Der Fach·begriff ist Flächen.
In den letzten 25 Jahren hat sich die Fläche vergrößert, die für Siedlungen und Verkehr benutzt wird. Um 22 Prozent.
In der gleichen Zeit ist die Bevölkerung gewachsen. Aber nur um 2 Prozent.
Es wird also zu viel Fläche verbraucht.

Fläche, das ist Boden.
Das sind zum Beispiel Wälder und Äcker und Weiden.
Wenn dieser Boden verbraucht wird, dann wächst da nichts mehr.
Das ist ein großes Problem. In Deutschland und in Lüneburg.

In diesem Text geht es darum, wie viel Fläche verbraucht wird.
Deshalb hat der Text viele Zahlen.
Aber es geht auch um Ursachen und Folgen.

49.066 Quadrat·kilometer

49.066 Quadrat·kilometer (km2) waren 2015 in Deutschland Siedlungs- und Verkehrs·flächen (kurz: SuV).
Das ist eine Fläche so groß wie ganz Niedersachsen.
Zu SuV gehören:

  • Wohn·anlagen
  • Straßen
  • Bahn·trassen
  • Gewerbe·gebiete
  • Parks und Gärten

Zusammen sind das 13,7 Prozent der Fläche von Deutschland.

Die restliche Fläche teilt sich so auf:

  • 51,6 Prozent: land·wirtschaft·liche Nutz·flächen. Also Äcker, Felder, Weiden.
  • 30,6 Prozent: Wald
  • 2,4 Prozent: Gewässer
  • 1,7 Prozent: sonstige Flächen

Ähnlich ist die Verteilung im Kreis Lüneburg.

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Quellen: Destatis, 88 Lüneburg
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0,47 Quadrat·kilometer

0,47 Quadrat·kilometer – so viel Fläche wird jedes Jahr im Kreis Lüneburg für Siedlungs- und Verkehrs·projekte neu in Anspruch genommen.
Das ist eine Fläche doppelt so groß wie der Lüneburger Kur·park.

241 Quadrat·kilometer – so viel Fläche wird jedes Jahr in ganz Deutschland für Siedlungs- und Verkehrs·projekte neu in Anspruch genommen.
Das ist eine Fläche doppelt so groß wie das gesamte Natur·schutz·gebiet Lüneburger Heide.

Neu in Anspruch genommen – das heißt nicht, dass hier sofort bebaut wird.
Aber es könnte.

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Quellen: IÖR-Monitor, Destatis
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52 Quadrat·kilometer

52 Quadrat·kilometer land·wirtschaft·liche Nutz·fläche pro Jahr.
So viel Fläche ist verloren gegangen.
Nur in Niedersachsen.
Im Durch·schnitt seit dem Jahr 1989.
Der größte Teil davon sind inzwischen Siedlungs- und Verkehrs·flächen.

Es ist etwas besser geworden. Denn es wird nicht mehr so viel gebaut.
In letzter Zeit verliert Niedersachsen im Jahr weniger land·wirtschaft·liche Nutzfläche.
Aber es sind im Durch·schnitt immer noch 36 Quadrat·kilometer pro Jahr.

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Quelle: LBEG
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39,1 Prozent

Nicht alle Siedlungs- und Verkehrsflächen (SuV) sind versiegelt.
Das heißt:
Nicht überall stehen Häuser oder sind Straßen. Denn auch Gärten, Parks oder Friedhöfe sind SuV.

Im Kreis Lüneburg sind 39,1 Prozent der SuV versiegelt.
Zum Vergleich:
Der Durchschnitt in Deutschland ist 45,6 Prozent.

Das Problem:
Wenn Fläche versiegelt ist, dann hat das negative Folgen:

  • Regenwasser versickert schlecht oder gar nicht.
  • Deshalb kann sich an diesen Stellen kaum noch Grund·wasser bilden. Und Grund·wasser bedeutet auch Trink·wasser.
  • Das Risiko von lokalen Über·schwemmungen wird größer.
  • Es kommt keine Luft an die Erde. Das schadet dem Leben im Boden sehr.

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Quellen: LBEG, UBA
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10.000.000.000.000 – 10 Billionen Lebewesen

10.000.000.000.000 oder in Worten: 10 Billionen.
So viele Lebewesen können in nur 1 Kubik·dezimeter Boden leben.
1 Kubik·dezimeter ist ein Würfel mit 10 Zentimeter (cm) Kanten·länge.

Wie viele es tatsächlich sind, das hängt vom Boden ab: Was ist das für ein Boden. Wie wird er genutzt.

Fest steht aber: Unser Boden ist voller Leben:

  • Bakterien
  • Bodenalgen
  • Pilze
  • Würmer
  • Klein·insekten wie die Spring·schwänze.
    Die Spring·schwänze gibt es übrigens schon seit über 400 Millionen Jahren.

Diese Lebewesen arbeiten zusammen. Sie wandeln Pflanzen·reste, Exkremente und tote Tiere zu Humus um. Deshalb sind sie Helfer für Bauern und Förster.
Sie sind un·entbehrlich. Das heißt: Der Boden braucht diese Lebewesen.

Ist dieses Leben im Boden einmal gestört oder kaputt, lässt es sich nur schwer wieder herstellen.
Es dauert zirka 2000 Jahre, damit sich 10 Zentimeter Boden mit einer intakten Flora und Fauna entwickeln können.
Das heißt:
Es dauert 2000 Jahre, bis Pflanzen und Tiere, Bakterien und Pilze und alle Lebewesen im Boden wieder da sind. 2000 Jahre, bis das Öko-System wieder gut funktioniert.

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Quellen: Ulrich Gisi et al.: Bodenökologie, Bodenatlas
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50,4 Quadrat·meter

50,4 Quadrat·meter (m2) Wohn·fläche pro Einwohner. Im Durchschnitt. Im Jahr 2015 in Niedersachsen.
Das sind 6 Quadrat·meter mehr als vor 10 Jahren.
Das ist auch der Trend in ganz Deutschland.
Es gibt verschiedene Gründe.
Zum Beispiel:

  • Die Wohnungen werden immer größer.
  • Es gibt mehr Ein-Personen-Haushalte.
  • Es gibt mehr Eigen·heime.

In manchen Regionen sind auch noch Zu·zügler ein Grund.
Zum Beispiel in Lüneburg:
Bis 2035 erwartet Lüneburg viele neue Einwohner. Genau gesagt: 14 Prozent mehr.
Damit die Mieten bezahl·bar bleiben, will die Stadt neue Wohnungen bauen. Genau gesagt: 2100 bis zum Jahr 2021.
Viele Bau·gebiete gibt es schon.
Aber für zirka ein Viertel der Wohnungen wird Fläche in Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV) umgewandelt.
Am Wiene·bütteler Weg und am Rader·bach werden 26 Hektar (ha) neu in Anspruch genommen. Das sind 0,26 Quadrat·kilometer (km
2).

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Quellen: Destatis, UBA, Hansestadt Lüneburg
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0 Hektar

Auch Politiker wissen, dass es schlecht ist, Flächen zu verbrauchen.
Deshalb haben die EU und die Bundes·regierung von Deutschland ein Ziel.
Ab 2050 soll die Zahl der Siedlungs- und Verkehrsflächen (SuV) gleich bleiben.
Also 0 Quadrat·kilometer neue SuV.

Genau gesagt: Das ist es eine Netto- Null.
Das heißt:
Auch nach 2050 werden SuV neu in Anspruch genommen. Man muss ja dort bauen, wo die Menschen leben wollen.
Aber dann müssen an anderer Stelle alte SuV wieder zu Natur gemacht werden. Das nennt man Re·naturierungs·maßnahmen.
Die neuen und die alten SuV müssen gleich groß sein. Das wird gegen·gerechnet und das Ergebnis muss 0 sein. Die Netto-Null.

Zwischen·ziele

2050 ist weit weg. Deshalb gibt es Zwischen·ziele.
Bis 2030 soll der Flächen·verbrauch für neue SuV auf die Hälfte sinken.
Die genaue Zahl: 110 Quadrat·kilometer pro Jahr.

Das Gute: Der jähr·liche Flächen·verbrauch sinkt schon seit einigen Jahren.

Aber die Bundes·regierung kann das Ziel nicht allein erreichen. Sie braucht die Hilfe von Ländern und Gemeinden. Denn diese sind für die Bau·planung vor Ort zuständig.

Im Kreis Lüneburg

Seit 2010 sinkt die Zahl. Im Vergleich zu den Jahren davor wurde zirka ein Drittel weniger Fläche zu Bau·land für Wohnungen gemacht.
Bis 2020 soll diese Zahl weiter sinken. Dann sollen pro Jahr nur noch zirka 17 Hektar neu verbraucht werden. Das sind 0,17 Quadrat·kilometer.
Ob das zu den Wohn·bau·plänen der Stadt Lüneburg passt, muss man abwarten.

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Quellen: BMUB, Bundesregierung, Bundestag, Landkreis Lüneburg, NBank
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120.000 bis 160.000 Hektar

Es gibt noch eine Art, neuen Flächen·verbrauch zu verhindern: Innen·entwicklung.
Das heißt:
Man nutzt freie Flächen innerhalb der Stadt oder des Dorfs, wenn man neu bauen will.
Man baut in Baulücken oder auf Brachen.
Der Ort wird dichter, aber das Land drum·herum bleibt erhalten.
In Deutschland eignen sich 120.000 bis 160.000 Hektar zur Innen·entwicklung. Das sind 1200 bis 1600 Quadrat·kilometer.

Aber:
In Baulücken und auf Brachen wachsen Pflanzen und leben Tiere.
Diese Grün·flächen sind wichtig für eine Stadt. Denn:

  • Die Arten·vielfalt ist meistens sehr groß, weil das kleine Öko·system nicht gestört wird.
    Das heißt: Es gibt hier viele verschiedene Pflanzen und Tiere.
  • Das Klima in der Stadt ist besser:
    Die Luft wird gereinigt. Das Grün kühlt. Durch die Lücke wird die Luft besser ausgetauscht.
  • Grünflächen erholen das Auge.

Grüne Dächer

Wird in der Stadt gebaut, ist deshalb beides wichtig: die graue und die grüne Infra·struktur.
Das heißt:
Bauen ja, aber es muss auch grün bleiben.
Eine Möglichkeit sind Grün·dächer. Das sind Dächer mit Pflanzen drauf.
Ein Beispiel ist die Bibliothek der Leuphana (sprich: Leu-fa-na).

Eine Studie sagt:
In Lüneburg eignen sich weitere 200 Hektar Dach·fläche für Pflanzen. Das sind 2 Quadrat·kilometer.
Zum Beispiel in Goseburg-Zeltberg. Aber auch auf dem Krankenhaus oder der Salztherme.

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Quellen: BfN, Robert Feller: Evaluating the potential of landscapes over structures
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Original·text von Roy Fabian.
Illustration von Anne Ries.

Was zählt. „Auf|hören“ – Nummer 5 im Juni 2017.
In Einfache Sprache übertragen von Angelika Pohl.
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